Von viel Glas und Enthusiasmus
Ein Bericht über das 5. HTT
(Autor: Michael Funke)

Auf den Hinweis eines befreundeten Sternguckers entschied ich mich dieses Jahr an der HTT, mittlerweile der 5. ihrer Art, teilzunehmen.

Die Wetteraussichten waren zwar recht zweideutig, aber die Chance verschiedene Gleichgesinnte zu treffen, zu fachsimpeln und vielleicht mit etwas Glück (d.h. bei entsprechendem Wetter) durch verschiedene Teleskope schauen zu können, erleichterten mir die Entscheidung.
Nun denn, am Freitag Nachmittag traf ich dann auf dem Gelände der Jagdhütte Bahnsdorf ein. Die Stellflächen füllten sich zunächst recht langsam. Doch bereits am frühen Abend waren die freien Flecken spärlich gesät und der Himmel verhieß eine klare Nacht und einen ordentlichen Beobachtungsgenuss. Die letzten Stunden vor Sonnenuntergang wurden noch für ausführliche Blicke durch unterschiedlichste Geräte auf unseren Heimatstern genutzt. Ein bleibendes Erlebnis wird für mich: der Binokulare Anblick unserer Sonne durch einen 140 mm Ha-Coronadofilter bleiben. Ein Erlebnis, bei dem sich die Augen festsaugen am Okular… .



Nach der offiziellen Begrüßung der Teilnehmer über Lautsprecher und dem Entrichten des Obolus für die Teilnahme, begannen sich einige Fahrzeuge in Richtung Herzberg zu begeben. Im gut gefüllten Planetarium wurde von Prof. W. Schlosser (Paderborn) ein interessanter Vortrag über den derzeitigen Wissensstand zur Himmelsscheibe von Nebra geboten. In kurzweiliger Art präsentierte er den anwesenden Besuchern die neuesten Fakten komprimiert und anschaulich.
Nach dem Vortrag zog ich es vor, nicht neben dem Planetarium das gastronomische Angebot zu nutzen, sondern direkt zum Beobachtungsgelände zurück zu fahren. Zumal auch hier für das leibliche Wohl gesorgt werden sollte. Das Wetter wurde immer besser, der Himmel immer klarer und die Lust auf „spechteln“ immer größer. Auch wenn die Rückfahrt auf dem letzten Stück ohne Licht, mit Einweisen per Taschenlampe und Einparken zwischen Teleskopen eine interessante Erfahrung ist, werde ich so etwas bei einem nächsten Besuch sicher vorher berücksichtigen.
Nach einem leckerem Steak frisch vom Grill und einem kleinen Gerstensaft – ebenfalls frisch gezapft! (welches Teleskoptreffen hat dies zu bieten?) stand einer Beobachtungsnacht nix mehr im Weg. Inzwischen waren viele Sterngucker angereist und die Größe der Beobachtungsgeräte reichte vom Feldstecher über 6“ hin zu 12“. Das mit Abstand gewaltigste Teleskop stellte ohne Zweifel der 42“ dar, welcher bestimmt auch auf lang Sicht hin der Goliath bleiben wird.
Die Nacht wurde ausgiebig genutzt. Schauen - schwatzen - staunen. Es machte richtig Spaß teilweise ein und das selbe Objekt mit unterschiedlichen Apparaturen, teils Komplettteleskope, teils Selbstbaugeräte, zu betrachten. Nicht nur, dass jedes Fernrohr seinen eigenen Himmel hat, auch die sich verbreitende Freude an dem schönen Hobby ließen den Abend zu etwas Besonderem werden. Mit dem Laufe der Zeit verschwanden einige Kurzbesucher auch schon wieder. Allerdings sollten der Fairness halber auch diese Menschen den Anstand benutzen, das nächste Mal diejenigen, welche noch bleiben und beobachten (wollen) mit dergleichen Rücksicht zu behandeln, wie ihre eigene Abfahrt ermöglicht wird! Also, Licht aus!

Nun, auch mich überwand die irgendwann die Müdigkeit. Der anfänglich fantastische Himmel wurde irgendwann von einer Schicht (Cirrus-)Wolken getrübt und ich entschied mich trotz der magisch anziehenden Anblicke des Himmels durch einen 42-zöller (auch wenn es „nur“ die Standardobjekte waren) die Segel zu streichen und auf einen ebenso erfolgreichen 2 Tag der HTT zu hoffen. Am nächsten Morgen hörte ich, wie später dann noch Wolkenlückenbeobachtungen möglich waren und auch der Riese unter den Fernrohren ein wenig „gekitzelt“ wurde, um seine Photonensammelfähigkeit zu beweisen.



Trotz des morgendlichen Geräuschpegels (Jagdhütte heißt auch Jagdhütte, weil da Jäger und ähnliche Schützen ihrem Zielübungsdrang freien Lauf lassen können) sollte auch dieser Tag interessant werden. Am frühen Nachmittag wurde zunächst wieder eine kleine Versorgung organisiert, welche prima funktionierte. Im späteren Verlauf wurde diese kleine Verköstigung erneut abgelöst durch Grill und frisch Gezapftes – und dies bis spät in die Nacht.
Nach und nach trafen auch wieder mehrere Sternfreunde ein. Das Fachsimpeln, Beobachten der Sonne (diesmal zunächst erst durch Dunst und dünnere Wolkenschichten) konnte wieder beginnen. Die Reihen füllten sich allmählich wieder. Der Himmel leider auch. Zunächst wurde von Ralf Hofner den Zuhörern seines Vortrages bewiesen, dass auch ein vergleichsweise kleines Fernrohr (in diesem Fall ein 6“ MN) in Kombination mit elektronischer Bildbe- und –verarbeitung erstaunliches an den Objekten des Sonnensystems zu leisten vermag.
In einem zweiten Teil des Vortrages zeigte Martin Fiedler sehr anschaulich Schritt für Schritt dann den Zuhörenden die nötigen Arbeitsschritte, um von der Aufnahme eines Objektes mittels einfacher Webcam, durch die Giotto-Software zu einem ordentlichen Endresultat zu gelangen.
Nach und nach leerte sich nach diesen interessanten Vorführungen der kleine Saal. Der Himmel inzwischen auch. Die Aussage der Veranstalter, Petrus als Hauptsponsor ins Boot geholt zu haben, scheint sich erneut zu bewahrheiten. (über Emailadresse oder Telefonnummer würde nicht nur ich mich bestimmt freuen!

Eine zweite Beobachtungsnacht sollte folgen. Teilweise mit „neuen“ Geräten. Hierbei fiel sicherlich der kleinste Newton unter den Anwesenden aus dem Rahmen. Von Martin Schoenball, eine 76 mm Bastelsatz – Selbstbau – Konstruktion. Unbestreitbar verblüffend originell. Aber der Enthusiasmus ließ sich auch an den anderen Geräten ablesen. Am modifizierten 10 Zöller, dem selbstgebauten 6 Zöller oder an solchen Konstruktionen wie einem funkferngesteuerten Fokussiermotor an einem Refraktor. Wobei dies nur ein paar kleine „Sehenswürdigkeiten“ waren. Den Ideen und Umtrieben sind halt keine Grenzen gesetzt!



Jedenfalls war diese Nacht auch wieder ein beobachtungsmäßiger Erfolg. Auch
wenn nicht ganz so klar wie die vorangegangene (leichter Dunst und erheblich höhere Luftfeuchte) und ebenfalls Durchzug von kleineren Wolkenfeldern, konnte erneut bis gegen 4 Uhr beobachtet werden. Auch wenn die Gruppe der Schauenden inzwischen arg geschrumpft war.
Am nächsten Morgen gegen halb elf trafen dann erneut einige Leute ein. um nun in gemeinsamen Kräften den Platz und den genutzten Raum der Jagdhütte wieder zu säubern und die (eh nur minimalen) Spuren der nächtlichen Beobachtungen zu entsorgen.

Nach dieser Aktion trat auch ich meine Heimreise an. Leicht müde aber in vollster Zufriedenheit hier gewesen zu sein. Beobachtet zu haben und mit anderen den gleichen Enthusiasmus teilen zu können. Den Veranstaltern gilt mein besonderer Dank. Dieses Treffen organisiert zu haben mit allem drum und dran und alles völlig unkompliziert – dies macht eine erfolgreiche Teilnahme zu einem wahren Erlebnis.

Nun denn, bis zum nächsten ersten Wochenende im September ;-) )


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